© September 2008
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in der Marta-Gemeinde in Berlin-Kreuzberg
14.09.2008: Predigt Thema: Teufel
Die 1. Lesung steht im 1. Kapitel des Buches Ijob:
6 Nun geschah es eines Tages, da kamen die Gottessöhne, um vor den Herrn
hinzutreten; unter ihnen kam auch der Satan.
7 Der Herr sprach zum Satan: Woher kommst du? Der Satan antwortete dem
Herrn und sprach: Die Erde habe ich durchstreift, hin und her.
8 Der Herr sprach zum Satan: Hast du auf meinen Knecht Ijob geachtet?
Seinesgleichen gibt es nicht auf der Erde, so untadelig und rechtschaffen, er
fürchtet Gott und meidet das Böse.
9 Der Satan antwortete dem Herrn und sagte: Geschieht es ohne Grund, dass
Ijob Gott fürchtet?
10 Bist du es nicht, der ihn, sein Haus und all das Seine ringsum beschützt?
Das Tun seiner Hände hast du gesegnet; sein Besitz hat sich weit ausgebreitet im
Land.
11 Aber streck nur deine Hand gegen ihn aus und rühr an all das, was sein
ist; wahrhaftig, er wird dir ins Angesicht fluchen.
12 Der Herr sprach zum Satan: Gut, all sein Besitz ist in deiner Hand, nur
gegen ihn selbst streck deine Hand nicht aus! Darauf ging der Satan weg vom
Angesicht des Herrn.
Die 2. Lesung steht in der Offenbarung des Johannes.
Im 12. Kapitel wird eine Vision beschrieben, die zeigt, was vor langer Zeit geschah
und im 20. Kapitel eine, die zeigt, wie es enden wird:
12, 7 Da entbrannte im Himmel ein Kampf; Michael und seine Engel erhoben
sich, um mit dem Drachen zu kämpfen. Der Drache und seine Engel kämpften,
12, 8 aber sie konnten sich nicht halten und sie verloren ihren Platz im Himmel.
12, 9 Er wurde gestürzt, der große Drache, die alte Schlange, die Teufel oder
Satan heißt und die ganze Welt verführt; der Drache wurde auf die Erde gestürzt und
mit ihm wurden seine Engel hinabgeworfen.
12, 12 Darum jubelt, ihr Himmel / und alle, die darin wohnen. Weh aber euch,
Land und Meer! / Denn der Teufel ist zu euch hinabgekommen; seine Wut ist groß, / weil
er weiß, dass ihm nur noch eine kurze Frist bleibt.
20, 7 Wenn die tausend Jahre vollendet sind, wird der Satan aus seinem
Gefängnis freigelassen werden.
20, 8 Er wird ausziehen, um die Völker an den vier Ecken der Erde, den Gog
und den Magog, zu verführen und sie zusammenzuholen für den Kampf; sie sind so
zahlreich wie die Sandkörner am Meer.
20, 9 Sie schwärmten aus über die weite Erde und umzingelten das Lager der
Heiligen und Gottes geliebte Stadt. Aber Feuer fiel vom Himmel und verzehrte sie.
20, 10 Und der Teufel, ihr Verführer, wurde in den See von brennendem Schwefel
geworfen, wo auch das Tier und der falsche Prophet sind. Tag und Nacht werden sie
gequält, in alle Ewigkeit.
Das Evangelium steht im 5. Kapitel des Matthäusevangeliums
43 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben
und deinen Feind hassen.
44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen,
45 damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne
aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.
Liebe Gemeinde
Im Gesprächskreis im Gottesdienst vor drei Wochen kam der Wusch auf, dass ich heute
über den Teufel rede.
In der Bibel gibt es viele Bezeichnungen für den Teufel: Satan, Luzifer, Beelzebul,
Der Böse, Das Böse und auch Umschreibungen wie gefallener Engel, Anführer der Dämonen,
unreiner Geist, der Feind, Mörder von Anfang an, der Vater der Lüge, der Beherrscher
dieser finsteren Welt, der Verführer, der Widersacher, der Drachen, die alte Schlange
und noch viele Weitere.
Diese Vielfältigkeit weist darauf hin, dass es in der Bibel sehr viele und sehr
verschiedene Vorstellungen vom Bösen gibt, die wir dann alle zu einem Teufel-Begriff
zusammenschmeißen.
Ich werde hier nur ein paar von diesen Teufelsbildern vorstellen können.
Im 2. Buch der Könige, im Alten Testament, steht:
1, 2 Ahasja war in Samaria durch das Gitter seines Obergemachs gefallen und
hatte sich verletzt. Er sandte Boten ab mit dem Auftrag: Geht, befragt Beelzebul,
den Gott von Ekron, ob ich von diesem Leiden genesen werde.
1, 3 Doch der Engel des Herrn sprach zu Elija aus Tischbe: Mach dich auf,
geh den Boten des Königs von Samaria entgegen und sag zu ihnen: Gibt es denn keinen
Gott in Israel, sodass ihr fortgehen müsst, um Beelzebul, den Gott von Ekron, zu
befragen?
Viele hundert Jahre später lesen wir im Matthäusevangelium, im Neuen Testament:
12, 24 Als die Pharisäer das hörten, sagten sie: Nur mit Hilfe von Beelzebul,
dem Anführer der Dämonen, kann er die Dämonen austreiben.
12, 25 Doch Jesus wusste, was sie dachten, und sagte zu ihnen: Jedes Reich,
das in sich gespalten ist, geht zugrunde, und keine Stadt und keine Familie, die
in sich gespalten ist, wird Bestand haben.
12, 26 Wenn also der Satan den Satan austreibt, dann liegt der Satan mit
sich selbst im Streit. Wie kann sein Reich dann Bestand haben?
Beelzebul war ein Nachbargott und wurde im Lauf der Zeit zu einem Teufelsbild,
zu einem Gegengott.
Im Buch Ijob geht es um die Frage, ob das Böse und Üble, was Ijob widerfährt,
als Reaktion Gottes auf seinen Lebenswandel gesehen werden muss. In dem Buch
wird diese Sichtweise abgelehnt. Wem Böses widerfährt, der muss nicht selber
daran schuld sein, und er muss auch nicht bei Gott in Ungnade gefallen sein.
Konsequenterweise wird sein Unglück als Auswirkung einer Auseinandersetzung
zwischen Gott und einem seiner Gottessöhne, dem Satan, erklärt.
1, 6 Nun geschah es eines Tages, da kamen die Gottessöhne, um vor den Herrn
hinzutreten; unter ihnen kam auch der Satan.
1, 7 Der Herr sprach zum Satan: Woher kommst du? Der Satan antwortete dem
Herrn und sprach: Die Erde habe ich durchstreift, hin und her.
1, 8 Der Herr sprach zum Satan: Hast du auf meinen Knecht Ijob geachtet?
Seinesgleichen gibt es nicht auf der Erde, so untadelig und rechtschaffen, er
fürchtet Gott und meidet das Böse.
1, 9 Der Satan antwortete dem Herrn und sagte: Geschieht es ohne Grund, dass
Ijob Gott fürchtet?
1, 10 Bist du es nicht, der ihn, sein Haus und all das Seine ringsum beschützt?
Das Tun seiner Hände hast du gesegnet; sein Besitz hat sich weit ausgebreitet im
Land.
1, 11 Aber streck nur deine Hand gegen ihn aus und rühr an all das, was sein
ist; wahrhaftig, er wird dir ins Angesicht fluchen.
1, 12 Der Herr sprach zum Satan: Gut, all sein Besitz ist in deiner Hand, nur
gegen ihn selbst streck deine Hand nicht aus! Darauf ging der Satan weg vom
Angesicht des Herrn.
In der Offenbarung des Johannes wird die Geschichte wiedergegeben, dass ein Teil der
Engel sich gegen Gott aufgelehnt haben, aus dem Himmel vertrieben wurden und jetzt
auf der Erde wüten. Es wird aber auch eine Vision beschrieben, in der sie dann eines
Tages auch von der Erde vertrieben werden.
12, 7 Da entbrannte im Himmel ein Kampf; Michael und seine Engel erhoben
sich, um mit dem Drachen zu kämpfen. Der Drache und seine Engel kämpften,
12, 8 aber sie konnten sich nicht halten und sie verloren ihren Platz im Himmel.
12, 9 Er wurde gestürzt, der große Drache, die alte Schlange, die Teufel oder
Satan heißt und die ganze Welt verführt; der Drache wurde auf die Erde gestürzt und
mit ihm wurden seine Engel hinabgeworfen.
12, 12 Darum jubelt, ihr Himmel / und alle, die darin wohnen. Weh aber euch,
Land und Meer! / Denn der Teufel ist zu euch hinabgekommen; seine Wut ist groß, / weil
er weiß, dass ihm nur noch eine kurze Frist bleibt.
20, 7 Wenn die tausend Jahre vollendet sind, wird der Satan aus seinem
Gefängnis freigelassen werden.
20, 8 Er wird ausziehen, um die Völker an den vier Ecken der Erde, den Gog
und den Magog, zu verführen und sie zusammenzuholen für den Kampf; sie sind so
zahlreich wie die Sandkörner am Meer.
20, 9 Sie schwärmten aus über die weite Erde und umzingelten das Lager der
Heiligen und Gottes geliebte Stadt. Aber Feuer fiel vom Himmel und verzehrte sie.
20, 10 Und der Teufel, ihr Verführer, wurde in den See von brennendem Schwefel
geworfen, wo auch das Tier und der falsche Prophet sind. Tag und Nacht werden sie
gequält, in alle Ewigkeit.
Aber in der Bibel finden sich nicht nur die Vorstellung, dass der Teufel ein böses
Wesen ist. Der Teufel kann auch ein Aspekt des Menschen sein, wir können Teufel sein.
Im Matthäusevangelium lesen wir:
16, 21 Von da an begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach
Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten
vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen.
16, 22 Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das
soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen!
16, 23 Jesus aber wandte sich um und sagte zu Petrus: Weg mit dir, Satan,
geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im
Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.
Schon an diesen wenigen Beispielen wird deutlich, dass es in der Bibel kein
einheitliches Bild vom Teufel gibt. Wir müssen bei jeder Bibelstelle neu fragen,
was dort mit dem Teufelsbegriff gemeint ist.
Zuvor möchte ich aber klären, wozu das Gerede über irgend einen Teufel gut sein soll.
Wir machen immer wieder die Erfahrung, dass uns Böses, Übles, Negatives widerfährt.
Sei es durch das Verhalten von anderen Menschen, sei es durch Krankheit, Tod, Katastrophen, oder auch in unserem eigenen Denken, Fühlen, Sprechen und Handeln. Im Extremfall können wir so Grauenhaftes erleben, dass wir daran verrückt werden.
Gleichzeitig glauben wir, dass Gott diese Welt geschaffen hat. Dass Gott, der
Allmächtige, die Welt so geschaffen hat, wie er es will. Wir sind kein missglückter
Versuch, kein aus dem Ruder gelaufenes Vorhaben Gottes. Wir glauben, dass Gott, der
Allwissende von vornherein weiß, was er da erschafft und wie sich das alles
entwickelt. Und wir glauben, dass Gott alles aus Liebe macht.
Und damit haben wir dann das Problem, dass der allmächtige und allwissende Gott,
aus überfließender Liebe uns eine Welt geschaffen hat, in der jeden Tag so viel
Horror geschieht, dass die Zeitung voll wird.
Es gibt viele Wege, diesen Widerspruch zu erklären.
Man könnte das Böse, das Negative in dieser Welt leugnen. Das versuchen die
Positiv-Denker. Spätestens bei der unvermeidlichen Konfrontation mit dem eigenen
Tod erweist sich dieser Weg als Sackgasse.
Man könnte Gott auch einen grausamen Anteil zubilligen, wie zum Beispiel im
Hinduismus die Göttin Shiwa, die eine Kette aus Schädeln um den Hals trägt. Auch
in der Bibel finden sich viele Stellen, wo Gott grausam handelt. Aber Jesus besteht
darauf, dass Gott uns nur voller Liebe begegnet.
Das Gott der Liebende ist, aber noch einen Gegengott an seine Seite bekommt, der
für das Böse verantwortlich ist, passt nicht zu unserem Ein-Gott-Glauben.
In dem Bild von den gefallenen Engeln, die Gottes ursprünglichen Plan durchkreuzen
und aus der Erde eine Kampfstätte machen, wird der Versuch gemacht, jemand zu
finden, der für das Negative verantwortlich ist ohne dass der Ein-Gott-Glaube
verletzt wird. Die gefallenen Engel sind ja keine Götter, sondern Geschöpfe Gottes.
Das erklärt auch, warum die gefallenen Engel nicht gleich in die Hölle verbannt
werden, sondern hier auf der Erde ihr Unwesen treiben dürfen. Sie werden ja hier
gebraucht, um das Böse auf der Erde erklären zu können.
Wenn wir dieses Bild aber weiter denken, ergeben sich einige ungewohnte Aussagen:
Gott liebt den Teufel, wie jedes seiner Geschöpfe, maßlos und bedingungslos.
Gott, der ja ewig ist, also außerhalb von Raum und Zeit, hat schon immer gewusst,
dass der Teufel so handeln wird, wie er gehandelt hat. Wenn er ihn trotzdem
geschaffen hat, trägt er natürlich auch die Verantwortung für die Taten des Teufels.
Selbst das letztendliche Schicksal des Teufels, wenn der Kampf vorbei ist, sollte
Ausdruck der Liebe Gottes sein.
Ich vermute, dass wir diesem Bild gerechter werden, wenn wir es als vorläufigen
Versuch werten, Gottes Güte zu retten, angesichts des Bösen in dieser Welt.
Ich möchte einen anderen Weg vorschlagen, das Dilemma zu lösen:
Als kleines Kind habe ich den Unterschied von Gut und Böse kennengelernt.
Später habe ich den klaren Gegensatz von Gut oder Böse aufgegeben, zugunsten von
vielen Zwischenwerten. Im Bösen konnten jetzt auch noch gute Anteile sein, im Guten
auch böse. Die Polarität von Schwarz und Weiß wurde ersetzt durch viele Grautöne.
Jetzt möchte ich auch die graugestufte Polarität aufgeben. Wenn ich sage, Gott ist
gut, meine ich nicht mehr, dass er ein Teil der Gut-Böse Polarität ist, sondern,
dass die Gut-Böse-Polarität als Ganzes, samt aller Zwischentöne, gut ist, und in
Gott geborgen ist.
Gut meint in diesem Sinne nicht mehr den Gegensatz zu Böse, sondern ein letztlich
Gutes zu dem es kein Gegensatz gibt, weil Gott nur Gutes in diesem Sinne geschaffen
hat.
Das bedeutet, dass alles, auch alles Negative und Böse in Gottes Augen gut für uns
ist. Der Nachteil dieser Vorstellung ist, dass ich mir das nicht mehr vorstellen
kann. Aber ich muss Gottes Ansichten auch nicht verstehen, ich kann mit Jesus darauf
vertrauen, dass Gott es sehr gut mit mir meint, auch wenn ich das nicht wahrnehmen
kann.
Das bedeutet, dass Gott die Welt nicht besser machen könnte, als er sie gemacht hat.
Auch meine Möglichkeiten, mein Teil der Welt zu verändern, sind von Gott in seinem
ewigen Plan integriert. Aber ewig, also außerhalb von Raum und Zeit, kann ich mir
genauso wenig vorstellen, wie Gottes Liebe.
Beten heißt dann nicht mehr, Gott auf Verbesserungsmöglichkeiten hinzuweisen, sondern
mit Jesus zu sagen: aber nicht mein Wille geschehe, sondern deiner.
Für den Teufel, der ein Teil von mir ist, ein Teil, den ich meist lieber nicht
wahrnehmen will, gilt dann: auch diesen unangenehmen Teil liebt Gott. Und Gott hat
ihn nur geschaffen, weil er gut für mich ist.
Ich schließe mit den Worten aus dem Matthäusevangelium
5, 43 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten
lieben und deinen Feind hassen.
5, 44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch
verfolgen,
5, 45 [] denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er
lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.
Amen