© März 2008 bernhardwagner@müllmensch.de   in der Marta-Gemeinde in Berlin-Kreuzberg

02.03.2008: Predigt 1Kön 16-19

Die Lesung steht im ersten Buch der Könige in den Kapiteln 16 bis 19

  16,29   Ahab [..] wurde König von Israel [..]   30   und tat, was dem Herrn missfiel, mehr als alle seine Vorgänger.   31   [..] Er nahm Isebel, die Tochter Etbaals, des Königs der Sidonier, zur Frau, ging hin, diente dem Baal und betete ihn an.   32   Im Baalstempel, den er in Samaria baute, errichtete er einen Altar für den Baal.   33   Auch stellte er einen Kultpfahl auf und tat noch vieles andere, womit er den Herrn, den Gott Israels, mehr erzürnte als alle Könige Israels vor ihm.

  17,1   Der Prophet Elija [..] sprach zu Ahab: So wahr der Herr, der Gott Israels, lebt, in dessen Dienst ich stehe: in diesen Jahren sollen weder Tau noch Regen fallen, es sei denn auf mein Wort hin.   2   Danach erging das Wort des Herrn an Elija:   3   Geh weg von hier, wende dich nach Osten und verbirg dich [..] östlich des Jordan!

  18,1   Nach langer Zeit - es war im dritten Jahr - erging das Wort des Herrn an Elija: Geh und zeig dich dem Ahab! Ich will Regen auf die Erde senden.   2   Da ging Elija hin, um sich Ahab zu zeigen. Die Hungersnot war groß in Samaria.   16   [..] Ahab ging Elija entgegen.   17   Sobald er ihn sah, rief er aus: Bist du es, Verderber Israels?   18   Elija entgegnete: Nicht ich habe Israel ins Verderben gestürzt, sondern du und das Haus deines Vaters, weil ihr die Gebote des Herrn übertreten habt und den Baalen nachgelaufen seid.   19   Doch schick jetzt Boten aus und versammle mir ganz Israel auf dem Karmel, auch die vierhundertfünfzig Propheten des Baal [..], die vom Tisch Isebels essen.   20   Ahab schickte in ganz Israel umher und ließ die Propheten auf dem Karmel zusammenkommen.   21   Und Elija trat vor das ganze Volk und rief: Wie lange noch schwankt ihr nach zwei Seiten? Wenn Jahwe der wahre Gott ist, dann folgt ihm! Wenn aber Baal es ist, dann folgt diesem! Doch das Volk gab ihm keine Antwort.   22   Da sagte Elija zum Volk: Ich allein bin als Prophet des Herrn übrig geblieben; die Propheten des Baal aber sind vierhundertfünfzig.   23   Man gebe uns zwei Stiere. Sie sollen sich einen auswählen, ihn zerteilen und auf das Holz legen, aber kein Feuer anzünden. Ich werde den andern zubereiten, auf das Holz legen und kein Feuer anzünden.   24   Dann sollt ihr den Namen eures Gottes anrufen und ich werde den Namen des Herrn anrufen. Der Gott, der mit Feuer antwortet, ist der wahre Gott. Da rief das ganze Volk: Der Vorschlag ist gut.   25   Nun sagte Elija zu den Propheten des Baal: Wählt ihr zuerst den einen Stier aus und bereitet ihn zu; denn ihr seid die Mehrheit. Ruft dann den Namen eures Gottes an, entzündet aber kein Feuer!   26   Sie nahmen den Stier, den er ihnen überließ, und bereiteten ihn zu. Dann riefen sie vom Morgen bis zum Mittag den Namen des Baal an und schrieen: Baal, erhöre uns! Doch es kam kein Laut und niemand gab Antwort. [..]   30   Nun forderte Elija das ganze Volk auf: Tretet her zu mir! Sie kamen und Elija baute den zerstörten Altar Jahwes wieder auf.   33   Sodann schichtete er das Holz auf, zerteilte den Stier und legte ihn auf das Holz.   34   Nun befahl er: Füllt vier Krüge mit Wasser und gießt es über das Brandopfer und das Holz! Hierauf sagte er: Tut es noch einmal! Und sie wiederholten es. Dann sagte er: Tut es zum dritten Mal! Und sie taten es zum dritten Mal.   35   Das Wasser lief rings um den Altar. [..]   36   Zu der Zeit nun, da man das Speiseopfer darzubringen pflegt, trat der Prophet Elija an den Altar und rief: Herr, Gott Abrahams, Isaaks und Israels, heute soll man erkennen, dass du Gott bist in Israel, dass ich dein Knecht bin und all das in deinem Auftrag tue.   37   Erhöre mich, Herr, erhöre mich! Dieses Volk soll erkennen, dass du, Herr, der wahre Gott bist und dass du sein Herz zur Umkehr wendest.   38   Da kam das Feuer des Herrn herab und verzehrte das Brandopfer, das Holz, die Steine und die Erde. [..].   39   Das ganze Volk sah es, warf sich auf das Angesicht nieder und rief: Jahwe ist Gott, Jahwe ist Gott!   40   Elija aber befahl ihnen: Ergreift die Propheten des Baal! Keiner von ihnen soll entkommen. Man ergriff sie und Elija ließ sie zum Bach Kischon hinabführen und dort töten.   41   Dann sagte Elija zu Ahab: Geh hinauf, iss und trink; denn ich höre das Rauschen des Regens.   45   Es dauerte nicht lange, da verfinsterte sich der Himmel durch Sturm und Wolken und es fiel ein starker Regen. [..]

  19,1   Ahab erzählte Isebel alles, was Elija getan, auch dass er alle Propheten mit dem Schwert getötet habe.   2   Sie schickte einen Boten zu Elija und ließ ihm sagen: Die Götter sollen mir dies und das antun, wenn ich morgen um diese Zeit dein Leben nicht dem Leben eines jeden von ihnen gleich mache.   3   Elija geriet in Angst, machte sich auf und ging weg, um sein Leben zu retten. Er kam nach Beerscheba in Juda und ließ dort seinen Diener zurück.   4   Er selbst ging eine Tagereise weit in die Wüste hinein. Dort setzte er sich unter einen Ginsterstrauch und wünschte sich den Tod. Er sagte: Nun ist es genug, Herr. Nimm mein Leben; denn ich bin nicht besser als meine Väter.   5   Dann legte er sich unter den Ginsterstrauch und schlief ein. Doch ein Engel rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss!   6   Als er um sich blickte, sah er neben seinem Kopf Brot, das in glühender Asche gebacken war, und einen Krug mit Wasser. Er aß und trank und legte sich wieder hin.   7   Doch der Engel des Herrn kam zum zweiten Mal, rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Sonst ist der Weg zu weit für dich.   8   Da stand er auf, aß und trank und wanderte, durch diese Speise gestärkt, vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Gottesberg Horeb.   9   Dort ging er in eine Höhle, um darin zu übernachten. Doch das Wort des Herrn erging an ihn: Was willst du hier, Elija?   10   Er sagte: Mit leidenschaftlichem Eifer bin ich für den Herrn, den Gott der Heere, eingetreten, weil die Israeliten deinen Bund verlassen, deine Altäre zerstört und deine Propheten mit dem Schwert getötet haben. Ich allein bin übrig geblieben und nun trachten sie auch mir nach dem Leben.   11   Der Herr antwortete: Komm heraus und stell dich auf den Berg vor den Herrn! Da zog der Herr vorüber: Ein starker, heftiger Sturm, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, ging dem Herrn voraus. Doch der Herr war nicht im Sturm. Nach dem Sturm kam ein Erdbeben. Doch der Herr war nicht im Erdbeben.   12   Nach dem Beben kam ein Feuer. Doch der Herr war nicht im Feuer. Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln.   13   Als Elija es hörte, hüllte er sein Gesicht in den Mantel, trat hinaus und stellte sich an den Eingang der Höhle.   14   Da vernahm er eine Stimme, die ihm zurief: Was willst du hier, Elija? [..]

Das Evangelium steht bei Matthäus im 13. Kapitel: (Mt 13, 24-30a)

  24   Und Jesus erzählte ihnen noch ein anderes Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte.   25   Während nun die Leute schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging wieder weg.   26   Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein.   27   Da gingen die Knechte zu dem Gutsherrn und sagten: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut?   28   Er antwortete: Das hat ein Feind von mir getan. Da sagten die Knechte zu ihm: Sollen wir gehen und es ausreißen?   29   Er entgegnete: Nein, sonst reißt ihr zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen aus.   30   Lasst beides wachsen bis zur Ernte. [..]

Liebe Gemeinde

Wir haben einen langen Text gehört. Eigentlich wäre nur die Stelle dran gewesen, wo Gott im Säuseln an der Höhle vorbeizieht. Und die wäre auch schon letzten Sonntag dran gewesen, aber ich habe ja mit Klaus getauscht, so dass der Text von heute schon letzten Sonntag Predigttext war.

Ich habe so einen langen Text gewählt, weil uns dort drei verschiedene Gottesbilder begegnen:

Ein Gott, der mit Dürrekatastrophen, brennenden Holzstapeln und Massenmorden gegen die Konkurrenz vorgeht.

Ein Gott, der sich nicht im Gewalttätigen sondern im Säuseln finden lässt.

Ein Gott, der Gutes und Böses beschützt, damit beide in Ruhe wachsen können.

Ich finde es auch spannend, wie der Text so eine Weiterentwicklung des Gottesbildes beschreibt.

In dem Text, den wir gehört haben, passiert eine ganze Menge. Da gibt es zwei Königtümer, Israel und Juda. Geschrieben wurde der Text aber erst rund 300 Jahre später im Babylonischen Exil, also vor gut 2500 Jahren unter Verwendung älterer Texte.

Ahab wird König von Israel, dem Nordreich, nachdem sein Vater, König Omris, gestorben ist. König Ahab wird von den Schreibern des Textes nicht gut bewertet:

Er tat, was dem Herrn missfiel, mehr als alle seine Vorgänger.

Vorgeworfen wird ihm vor allem, dass er die Verehrung anderer Götter duldete, förderte und praktizierte. Er nahm sich eine ausländische Prinzessin zur Frau, die Isebel, die natürlich ihre Götter verehrte.

Gott, der Herr, war damals ein Regionalgott und hatte in allen umliegenden Ländern Konkurrenzgötter.

Dass die konkurrierenden Götter nur verschiedene Gottesvorstellungen sind, die die Menschen auf ihrem Weg zu dem Einen, Unfassbaren begleiten, davon weiß dieser Text nichts.

In den Augen der Schreiber dieses Textes passierte Ungeheuerliches:

In dem Gebiet, in dem Gott, der Herr, zuständig war, diente der König des Nordreiches dem Konkurrenzgott Baal und baute ihm einen Tempel.

Und Gott, der Herr, reagierte erwartungsgemäß wie ein beleidigter Provinzgott: Er weigerte sich, für sein Land weiterhin Regen zu machen.

Damit auch jedem klar wird, dass er sich nicht kampflos von Baal und seinen Anhängern vertreiben lässt, schickt er seinen Unterhändler Elias und lässt dem König Ahab ausrichten:

So wahr der Herr, der Gott Israels, lebt, in dessen Dienst ich stehe: in diesen Jahren sollen weder Tau noch Regen fallen, es sei denn auf mein Wort hin.

Danach muss sich Elija verstecken, denn damals wurden solche Ankündigungen als Kraftworte verstanden, die das bewirken, was sie ankündigen.

Der Text lässt keinen Zweifel daran, dass den Ankündigungen auch Auswirkungen folgten:

Die Hungersnot war groß in Samaria, der Hauptstadt des Nordreiches

König Ahab lässt Elija überall suchen wie heutzutage die Terroristen, mit denen er ja auch einiges gemeinsam hat: Idealismus, Opferbereitschaft und Gewaltbereitschaft.

Und wie bei den Terroristen gibt es gegenseitige Schuldzuschreibungen:

Sobald König Ahab den Elija sah, rief er aus: Bist du es, Verderber Israels? Denn in seinen Augen hat Elija ja durch sein Wort die Dürrekatastrophe herbeigeführt.

Und Elija entgegnete: Nicht ich habe Israel ins Verderben gestürzt, sondern du und das Haus deines Vaters, weil ihr die Gebote des Herrn übertreten habt und den Baalen nachgelaufen seid.

Der Gedanke, dass die Katastrophe eine gemeinsame Aktion gewesen sein könnte, ist ihnen fremd.

Und dann kommt es zum Fernsehduell zwischen Elija und den Propheten des Baal, zwischen Jahwe und Baal. Und ganz Israel schaut dabei zu.

Und es geht um eine Wahl, eine Volksabstimmung. Im Text steht:

Und Elija trat vor das ganze Volk und rief: Wie lange noch schwankt ihr nach zwei Seiten? Wenn Jahwe der wahre Gott ist, dann folgt ihm! Wenn aber Baal es ist, dann folgt diesem!

Und dann folgt das starke Bild mit den beiden Stieren, die geopfert werden sollen. Beide Parteien bauen einen Altar, schichten Feuerholz auf ihn und legen dann den zerlegten Stier drauf.

Zuerst sind die Baal-Propheten dran ihren Gott zu bewegen, den Holzstapel anzuzünden:

Sie riefen vom Morgen bis zum Mittag den Namen des Baal an und schrieen: Baal, erhöre uns! Doch es kam kein Laut und niemand gab Antwort.

Und dann ist Elija dran. Er ist sich seiner Sache so sicher, dass er die Aufgabe für seinen Gott noch schwerer macht: dreimal lässt er den Holzstapel samt dem Opferfleisch mit Wasser übergießen. Erst danach fordert er seinen Gott auf, das pitschnasse Holz anzuzünden.

Da kam das Feuer des Herrn herab und verzehrte das Brandopfer, das Holz, die Steine und die Erde.

Gott, der Herr, zeigt, dass er das Sagen hat. Zumindest in dieser Gegend. Offensichtlich, nachweisbar und mediengerecht.

Dieses starke Bild erfüllt die Sehnsucht, Gott auch mal vorzeigen zu können, so dass ihn niemand mehr bestreiten kann. Nicht immer nur Hoffen und Vertrauen.

Damals vor 2500 Jahren war Gott nicht nur ein Regionalgott, sondern auch objektiv nachweisbar als Regen- und Feuergott tätig.

Der Gott Elijas hat sich als der Handelnde, der Mächtige, der Zuständige erwiesen und so einen überragenden Wahlsieg errungen:

Das ganze Volk sah es, warf sich auf das Angesicht nieder und rief: Jahwe ist Gott, Jahwe ist Gott!

Was danach passierte ist für uns heute erschreckend:

Elija aber befahl ihnen: Ergreift die Propheten des Baal! Keiner von ihnen soll entkommen. Man ergriff sie und Elija ließ sie zum Bach Kischon hinabführen und dort töten.

Elija benutzt seinen neu gewonnenen Einfluss, um die Konkurrenz zu töten.

Das Gute zu stärken, indem man die Bösen, also die Andersdenkenden, bekämpft, ist uns auch heute noch nicht so fremd. Jesus Gleichnis vom Unkraut, dass man nicht ausrotten soll, ist auch heute noch eine Herausforderung.

Die Schreiber des Textes kannten noch einen Gott, der seinen Einflussbereich mit Dürre, Feuer und Mord verteidigt. Aber dieses Gottesbild ist schon bei ihnen nicht ungebrochen. Denn jetzt geht die Geschichte nicht so weiter, dass Elija einen neuen König einsetzt und alle Leute gottwohlgefällig leben. Sondern Elija muss vor der Wut der Königin Isebel fliehen, steht Todesangst aus und bekommt Depressionen.

Depressionen sind eigentlich eine ganz gesunde Reaktion nachdem man viele hundert Menschen umgebracht hat.

Gott lobt ihn nicht und straft ihn nicht, sondern schickt seinen Engel, damit er in seinen Depressionen das Essen und Trinken nicht vergisst.

Elija klammert sich an seine Sicht der Dinge. Er sagt nicht: „Ich habe ein Blutbad angerichtet. Ich habe die Schreie der verzweifelten Propheten gehört und ihre zerhackten Körper gesehen. Ich habe die Gesichter der Leute gesehen, die auf mein Wort hin über die Propheten hergefallen sind. Ihren Eifer, ihre Lust, ihre Gnadenlosigkeit. Ich habe das Hallo erlebt, wenn noch einer aus seinem notdürftigen Versteck herausgezerrt wurde. Und zum Schluss dann die Streitigkeiten um das, was sie bei sich trugen.“

Das alles hat Elija nicht gesagt, er sagte:

Mit leidenschaftlichem Eifer bin ich für den Herrn, den Gott der Heere, eingetreten, weil die Israeliten deinen Bund verlassen, deine Altäre zerstört und deine Propheten mit dem Schwert getötet haben. Ich allein bin übrig geblieben und nun trachten sie auch mir nach dem Leben.

Der Herr antwortete nicht: Du armes Opfer

Der Herr antwortete: Komm heraus und stell dich auf den Berg vor den Herrn!

Da zog der Herr vorüber:

Ein starker, heftiger Sturm, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, ging dem Herrn voraus. Doch der Herr war nicht im Sturm.

Nach dem Sturm kam ein Erdbeben. Doch der Herr war nicht im Erdbeben.

Nach dem Beben kam ein Feuer. Doch der Herr war nicht im Feuer.

Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln.

Als Elija es hörte, hüllte er sein Gesicht in den Mantel, trat hinaus und stellte sich an den Eingang der Höhle.


Depressionen können auch eine Art Häutung sein. Elija begegnet seinem Gott, den er eben noch als Gott der Heere angesprochen hat, viel behutsamer. Kein Gott, der medienwirksam Stiere abfackelt, kein Gott, der die Diener der Konkurrenz umbringen lässt, kein Gott, der die Berge aufwirbelt. Ein Gott, der sich im Säuseln finden lässt. Ein Gott, dem man mit abgewendetem Kopf gegenübertritt.

Bei den Schreibern des Textes, damals vor 2500 Jahren, muss ein Umbruch in ihrem Gottesbild stattgefunden haben. Ihr Gottesbild hat sich weiterentwickelt. Da das Gottesbild untrennbar verbunden ist mit dem Bild, wie ich mich und meine Umwelt sehe, müssen die damals auch sich und ihre Umwelt anders gesehen haben. Behutsamer und weniger schwarz-weiß.

Das Gleichnis von Jesus setzt einen weiteren Umbruch voraus, eine weitere Entwicklung. Bei Jesus ist Gutes und Böses, Freund und Feind, in Gott geborgen und darf wachsen.

Damit steht Jesus Gottesbild in direktem Gegensatz zu dem regenverweigernden Gott.

Und doch ist Jesus Gottesbild eine schrittweise Weiterentwicklung, die schon bei Elija beginnt.

Und das ist das, worum es mir in dieser Predigt geht und weswegen ich heute so lange gemacht habe:

Dass es eine schrittweise Entwicklung gibt in dem Selbstverständnis und Gottesbild, und dass sich solche Entwicklungsschritte auch in der Bibel finden lassen.

Und dass diese Entwicklungsschritte, für sich genommen, direkt das Gegenteil sagen können und doch Teil einer Entwicklungsreihe sein können.

Dass wir Geduld haben können mit jenen, die sich an früheren Entwicklungsschritten abarbeiten.

Und dass wir uns selber mutig auf einen neuen Entwicklungsschritt einlassen können.

Ich denke, das Gleichnis mit dem Unkraut, was in Ruhe wachsen darf, gibt mir viel Gelegenheit, Neues auszuprobieren.

Amen