© Jannuar 2007 bernhardwagner@müllmensch.de   in der Marta-Gemeinde in Berlin-Kreuzberg

07.01.2007: Predigt Jes 42,1-7

Das Evangelium steht bei Johannes 14: (Joh 14, 8 - 12 (leicht gekürzt))

8   Philippus sagte zu Jesus: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns.   9   Jesus antwortete ihm: Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus ? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater ?   10   Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist ? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke.   11   Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; [...]   12   Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater.

Der Predigttext steht bei Jesaja 42: (Jes 42, 1 - 7)

1   Seht, das ist mein Knecht, den ich stütze; das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen.
Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt, er bringt den Völkern das Recht.
2   Er schreit nicht und lärmt nicht und lässt seine Stimme nicht auf der Straße erschallen.
3   Das geknickte Rohr zerbricht er nicht und den glimmenden Docht löscht er nicht aus; ja, er bringt wirklich das Recht.
4   Er wird nicht müde und bricht nicht zusammen, bis er auf der Erde das Recht begründet hat. Auf sein Gesetz warten die Inseln.
5   So spricht Gott, der Herr, der den Himmel erschaffen und ausgespannt hat, der die Erde gemacht hat und alles, was auf ihr wächst,
der den Menschen auf der Erde den Atem verleiht und allen, die auf ihr leben, den Geist:
6   Ich, der Herr, habe dich aus Gerechtigkeit gerufen, ich fasse dich an der Hand.
Ich habe dich geschaffen und dazu bestimmt, der Bund für mein Volk und das Licht für die Völker zu sein:
7   blinde Augen zu öffnen, Gefangene aus dem Kerker zu holen
und alle, die im Dunkel sitzen, aus ihrer Haft zu befreien.

Liebe Gemeinde

Ich kann mich noch gut erinnern, als das Jahr 1961 zuende ging. Ich fand das toll, dass man "I96I" auch auf den Kopf drehen konnte,


das machte dieses Jahr für mich zu einem besonderen Jahr. Ich war damals neun Jahre alt und habe mich schwer getan, das Jahr gehen zu lassen. Das letzte Mal, wo so etwas möglich war, war 1881, also schon lange her. Damals habe ich erlebt, dass ich dieses tolle Jahr nicht aufhalten konnte. Sylvester kam und ging vorbei. Ich tröstete mich mit dem Gedanken, dass das nächste Jahr, das man auf den Kopf stellen kann, 2007 ist,


vorausgesetzt man schreibt die 2 und die 7 etwas altmodisch, aber 1961 musste man die 1 ja auch amerikanisch schreiben, wenn das Umdrehen gelingen soll.

Heute bin ich nicht mehr neun, und der Abschied vom alten Jahr fiel mir diesmal nicht schwer. Aber dass wir jetzt in einem Jahr leben, dass wir auch auf den Kopf stellen können, davon handelt dieser Gottesdienst.

Wir haben von Jesaja das erste Lied vom Gottesknecht gehört.

Die Christen haben diesen Text von Jesaja oft als prophetische Vorankündigung von Jesus verstanden. Aber Propheten, wie auch Jesaja einer war, haben nicht die Aufgabe zu sagen, was später mal passieren wird. Sie sollen aufdecken, welche Potenziale in der Gegenwart liegen. Sie sollen die Sichtweise auf die aktuellen Zustände verändern.

Das Spannende an dem Text ist, dass er auch heute noch Potenziale aufdecken kann, die wir in unserer Zeit haben.

Diese Potenziale haben wir gerade weil wir Christen sind. Weil wir darauf vertrauen können, dass wir in Gottes Liebe geborgen sind. Wie wir vorhin im Evangelium von Jesus gehört haben: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen

Ich möchte den Text noch einmal vorlesen, Satz für Satz, und ihn dann in eine Form für uns heute bringen.

1   Seht, das ist mein Knecht, den ich stütze; das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen.
1   Da bist du, dich unterstütze ich; du bist von mir erwählt, gewollt, gewünscht, an dir finde ich Gefallen, liebevoll blicke ich auf dich.

Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt, er bringt den Völkern das Recht.
Ich habe meinen Geist auf dich gelegt, ich begleite dich und schenke dir Mut und Kraft und Weisheit, du wirst vielen Menschen gerecht werden können.

2   Er schreit nicht und lärmt nicht und lässt seine Stimme nicht auf der Straße erschallen.
2   Du schreist nicht und lärmst nicht und lässt deine Stimme nicht auf der Straße erschallen. Du wirkst im Alltäglichen, im scheinbar Belanglosen, ruhig und geborgen in mir.

3   Das geknickte Rohr zerbricht er nicht und den glimmenden Docht löscht er nicht aus; ja, er bringt wirklich das Recht.
3   Das geknickte Rohr zerbricht du nicht und den glimmenden Docht löscht du nicht aus; ja, du wirst wirklich den anderen gerecht.

4   Er wird nicht müde und bricht nicht zusammen, bis er auf der Erde das Recht begründet hat. Auf sein Gesetz warten die Inseln.
4   Du wirst nicht müde und brichst nicht zusammen, du vertraust nicht auf deine Kraft, sondern auf meine. Die Separaten, Abgekapselten, Isolierten warten darauf, dass du ihnen gerecht wirst. Dass du ihnen da begegnest, wo sie sind, wissend, dass sie von mir ebenso geliebt und gewollt sind.

5   So spricht Gott, der Herr, der den Himmel erschaffen und ausgespannt hat, der die Erde gemacht hat und alles, was auf ihr wächst,
der den Menschen auf der Erde den Atem verleiht und allen, die auf ihr leben, den Geist:

5   So spricht Gott, die Mutter des Lebens, die den Himmel erschaffen und ausgespannt hat, die die Erde gemacht hat und alles, was auf ihr wächst,
die den Menschen auf der Erde den Atem verleiht und allen, die auf ihr leben, den Geist:

6   Ich, der Herr, habe dich aus Gerechtigkeit gerufen, ich fasse dich an der Hand.
Ich habe dich geschaffen und dazu bestimmt, der Bund für mein Volk und das Licht für die Völker zu sein:

6   Ich, die Mutter des Lebens, habe dich gerufen weil es gut für dich ist, ich fasse dich an der Hand.
Ich habe dich geschaffen und dazu bestimmt, Menschen miteinander zu verbinden und das Licht für viele zu sein:

7   blinde Augen zu öffnen, Gefangene aus dem Kerker zu holen
und alle, die im Dunkel sitzen, aus ihrer Haft zu befreien.

7   blinde Augen zu öffnen, sie können ja nicht wissen, dass ich sie genau so sehr liebe wie dich.
Gefangene aus dem Kerker zu holen, ihnen Handlungsspielräume öffnen
Und alle, die im Dunkel sitzen, aus ihrer Haft zu befreien. Die lähmende Angst behutsam hinwegfegen wie alte Spinnenfäden.

Ich, die Mutter des Lebens, wünsche dir einen guten Start in das neue Jahr und möchte dich dabei begleiten, das neue Jahr auf den Kopf zu stellen.

Amen