© Januar 2006
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in der Marta-Gemeinde in Berlin-Kreuzberg
29.01.2006: Predigt Eph 1,15-20a
Die Lesung ist zugleich der Predigttext und steht im Epheserbrief:
(Eph 1,15-20a)
1,15 Darum höre ich nicht auf, für euch zu danken, wenn
ich euch in meinen Gebeten erwähne, 16 denn ich habe
von eurem Glauben an Jesus, den Herren, und von eurer Liebe zu allen
Heiligen gehört. 17 Der Gott unseres Herren Jesus
Christus, die Mutter der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der
Weisheit und Offenbarung, damit ihr sie erkennt. 18 Sie
erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher
Hoffnung ihr durch sie berufen seid, welchen Reichtum die Herrlichkeit
ihres Erbes den Heiligen schenkt 19 und wie überragend
groß ihre Macht sich an uns, den Glaubenden, erweist durch das Wirken
ihrer Kraft und Stärke. 20a Sie hat sie an Christus
erwiesen, den sie von den Toten erweckt hat.
Das Evangelium steht bei Johannes:
(Joh 16,33-17,23) (gekürzt)
16,33 [Jesus spricht:] Dies habe ich zu euch gesagt, damit ihr
in mir Frieden habt.
In der Welt habt ihr Drangsal; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt.
17,1 Nach diesen Worten erhob Jesus seine Augen zum Himmel
und sprach: Vater, die Stunde ist gekommen; verherrliche deinen Sohn,
damit der Sohn dich verherrlicht!
2 Du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen,
die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt.
3 Dies ist das ewige Leben: dich, den einzigen und wahren Gott
zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast.
6 Ich habe deinen Namen den Menschen geoffenbart, die du
mir [aus der Welt] gegeben hast. Sie waren dein, und du hast sie
mir gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt.
7 Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gabst,
von dir ist; 8 denn die Worte, die du mir gabst, habe
ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen.
Sie haben die Wahrheit erkannt, dass ich von dir gekommen bin, und
sie haben geglaubt, dass du mich gesandt hast.
17 Heilige sie durch die Wahrheit;
Dein Wort ist Wahrheit.
18 Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie
in die Welt gesandt.
19 Und für sie heilige ich mich, damit auch sie in Wahrheit
geheiligt sind.
20 Aber ich bitte nicht nur für sie, sondern auch für alle, die
durch ihr Wort an mich glauben.
21 Alle sollen eins sein;
wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein,
damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.
22 Die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben,
damit sie eins sind, wie wir eins sind, 23 ich in ihnen
und du in mir.
So sollen sie vollkommen eins sein, damit die Welt erkennt, dass
du mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich.
Liebe Gemeinde
Wir haben vorhin die Stelle aus dem Epheserbrief in der weiblichen
Form für Gott gehört. Vertrauter, wenn auch nicht richtiger, klingt
sie in der männlichen Form:
1,15 Darum höre ich nicht auf, für euch zu danken, wenn ich euch in
meinen Gebeten erwähne, 16 denn ich habe von eurem Glauben
an Jesus, den Herren, und von eurer Liebe zu allen Heiligen
gehört. 17 Der Gott unseres Herren Jesus Christus, der
Vater der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der Weisheit und
Offenbarung, damit ihr ihn erkennt. 18 Er erleuchte die
Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch
ihn berufen seid, welchen Reichtum die Herrlichkeit seines Erbes den
Heiligen schenkt 19 und wie überragend groß seine Macht
sich an uns, den Glaubenden, erweist durch das Wirken seiner Kraft
und Stärke. 20a Er hat sie an Christus erwiesen, den
er von den Toten erweckt hat.
Das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Brief. Aber dieser
Ausschnitt so komprimiert, dass man schon sehr konzentriert hinhören
muss, um überhaupt etwas zu verstehen.
Vielleicht ist es auch hilfreich, wenn man weiß, dass dieser Brief
nicht von Paulus selbst geschrieben wurde, sondern von jemandem, der
Paulus, oder zumindest die Paulusbriefe gut gekannt haben muss. Das
war wohl damals so üblich, dass man im Namen einer Autorität schrieb,
wenn man im Geiste dieser Autorität schreiben wollte.
Auch dass der Brief an die Epheser gerichtet ist, findet sich in den
ältesten Überlieferungen nicht. Das wurde erst später dazugeschrieben.
Ursprünglich richtete sich der Brief wohl allgemein an
heidenchristliche Gemeinden.
Der Text ist aber so ergiebig, dass die junge Kirche gut daran
getan hat, ihn trotzdem in das Neue Testament mit aufzunehmen.
Der Ausschnitt, um den es heute geht, fängt an mit dem Satz:
1,15 Darum höre ich nicht auf, für euch zu danken, wenn ich euch in
meinen Gebeten erwähne, 16 denn ich habe von eurem Glauben
an Jesus, den Herren, und von eurer Liebe zu allen Heiligen
gehört.
"Glaube an Jesus" meint:
Dem Jesus vertrauen.
Auf das vertrauen, was dieser Jesus gesagt hat.
Im Vertrauen darauf leben, dass wir von Gott über jedes Maß geliebt werden
Mit "Liebe zu allen Heiligen" ist gemeint:
Liebe zu den Mitchristen.
Liebe zu denen, die hier rumsitzen.
Gucken wir uns um, wer hier in dieser Gottesdienstfeier dabei ist.
Für wen möchten wir danken ?
Bei wem fällt uns das Danken nicht so leicht ?
Wie geht es uns mit dem Satz:
Darum höre ich nicht auf, für euch zu danken, wenn ich euch in meinen
Gebeten erwähne, denn ich habe von eurem Vertrauen auf Jesus Zusage
gehört, und von eurer Liebe zu denen, die hier anwesend sind.
Der zweite Satz lautet:
17 Der Gott unseres Herren Jesus Christus, der
Vater der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der Weisheit und
Offenbarung, damit ihr ihn erkennt.
Gott zu erkennen,
mitzubekommen, dass Gott uns als Liebender begegnet
bedarf es zweierlei: Weisheit und Offenbarung
Offenbarung meint:
Wir können nicht von uns aus Gott erkennen
Wir können nicht an der Welt ablesen, dass Gott uns liebt
Wir müssen uns das sagen lassen
Jesus hat uns zugesagt, dass wir maßlos und bedingungslos von Gott
geliebt werden.
Dieser Zusage müssen wir in irgendeiner Form konkret in Raum
und Zeit begegnen.
Weisheit meint:
Dass wir begreifen, was für eine Zusage uns da begegnet
Dass wir unseren Zweifel und unsere Kritikfähigkeit benutzen, um
alle schrägen und missverständlichen Interpretationen beiseite zu räumen.
Dass wir alles Unglaubwürdige an der Zusage Jesu über Bord werfen
Dass wir uns keinen Bären aufbinden lassen, auch keinen ganz frommen.
Der dritte Satz fängt an mit:
18 Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht [...].
In orientalisch-blumenreicher Sprache werden hier drei Aspekte
zusammengefasst:
Die Augen:
Hinsehen,
nach Außen orientiert sein,
offen sein für das, was auf mich zukommt,
wahrnehmen können
Das Herz:
Gefühle, Emotionen
Nach Innen orientiert sein
Offen sein für das, was in mir ist
Lieben können
Das Verstehen
Denken, Begreifen
Auge und Herz miteinander verbinden
Nicht blind sein, nicht gefühllos sein
Die Einheit von Außen und Innen finden
Der Satz geht weiter:
18 Er erleuchte die
Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch
ihn berufen seid [...].
Unsere Hoffnung ist, dass sich unser Vertrauen bewahrheitet.
Dass wir eines Tages erkennen, dass wir aus nichts als Geliebtwerden
bestehen, und dass diese Liebe viel gewaltiger ist, als wir uns das
heute vorstellen können.
18 Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, [...]
welchen Reichtum die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt.
Der Reichtum besteht darin, dass wir nichts brauchen, was in diesem
Geliebtwerden nicht schon enthalten wäre.
Der Reichtum besteht darin, dass wir von allen Absicherungssystemen
unabhängig werden: Geld, Gesundheit, Familie, Beruf, Guter Ruf,
Leistungsfähigkeit, Attraktivität, und so weiter
Das Leben kann schwer werden, vielleicht sogar kürzer als gedacht,
aber nicht sinnlos, nicht verpfuscht, nicht außerhalb von Gottes Liebe
18+19 Er erleuchte die
Augen eures Herzens, damit ihr versteht, [...] wie überragend groß seine Macht
sich an uns, den Glaubenden, erweist durch das Wirken seiner Kraft
und Stärke.
Die Macht erweist sich darin, dass alles, was mir begegnet, als
Geschenk Gottes gesehen werden kann.
Alles was geschieht als Bewegung von Gottes Liebe
Alles was mich umgibt, als aus dem gleichen Stoff bestehend:
aus Geliebtwerden
Der dritte Satz komplett in seiner Wuchtigkeit:
18 Er erleuchte die
Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch
ihn berufen seid, welchen Reichtum die Herrlichkeit seines Erbes den
Heiligen schenkt 19 und wie überragend groß seine Macht
sich an uns, den Glaubenden, erweist durch das Wirken seiner Kraft
und Stärke.
Damit der Gedankengang nicht zu sehr abhebt, wird er im nächsten Satz
festgemacht:
20a Er hat sie an Christus erwiesen, den
er von den Toten erweckt hat.
Das Wirken seiner Kraft und Stärke hat nicht verhindert, das die Römer
ihn auf eine elende und qualvolle Weise umbrachten als er Anfang 30 war.
Aber der Schlussstrich, den die Römer unter sein Leben gezogen haben,
war nicht das letzte Wort über Jesus
Jesus Auferstehung ist der Inbegriff unseres Vertrauens, dass nichts
verhindern kann, dass wir geliebt werden und dass diese Liebe uns
lebendig macht.
Diese Liebe macht uns lebendig, nicht nur nach dem Tod sondern auch
jetzt hier
Diese Liebe macht uns frei, frei von allen Zwängen
Diese Liebe macht uns offen, offen dafür, in dem Anderen einen von
Gott geliebten zu sehen
Diese Liebe macht uns unbeschwert, weil wir das Rettungsgeschäft Gott
überlassen können
Diese Liebe macht uns neu, weil wir alles mit neuen Augen sehen
Diese Liebe macht uns heilig, weil wir immer bei Gott sind, auch
jetzt in diesem Augenblick.
Amen