© Februar 2005
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in der Marta-Gemeinde in Berlin-Kreuzberg
20.02.2005: Predigt Gen 3,1-19
Das Evangelium ist zugleich der Predigttext und steht in Genesis 3: (Gen 3,1-19)
1 Die Schlange war schlauer als alle Tiere des Feldes, die Gott,
der Herr, gemacht hatte. Sie sagte zu der Frau: Hat Gott wirklich
gesagt: Ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen? 2 Die
Frau entgegnete der Schlange: Von den Früchten der Bäume im Garten dürfen
wir essen; 3 nur von den Früchten des Baumes, der in der
Mitte des Gartens steht, hat Gott gesagt: Davon dürft ihr nicht essen
und daran dürft ihr nicht rühren, sonst werdet ihr sterben.
4 Darauf sagte die Schlange zur Frau: Nein, ihr werdet nicht
sterben. 5 Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon esst, gehen
euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und
Böse. 6 Da sah die Frau, dass es köstlich wäre, von dem
Baum zu essen, dass der Baum eine Augenweide war und dazu verlockte,
klug zu werden. Sie nahm von seinen Früchten und aß sie gab auch ihrem
Mann, der bei ihr war, und auch er aß.
7 Da gingen beiden die Augen auf und sie erkannten, dass sie
nackt waren. Sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich einen
Schurz. 8 Als sie Gott, den Herrn, im Garten gegen den
Tagwind einherschreiten hörten, versteckten sich Adam und seine Frau
vor Gott, dem Herrn, unter den Bäumen des Gartens. 9 Gott,
der Herr, rief Adam zu und sprach: Wo bist du? 10 Er
antwortete: Ich habe dich im Garten kommen hören; da geriet ich in
Furcht, weil ich nackt bin, und versteckte mich. 11 Darauf
fragte er: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du von dem
Baum gegessen, von dem zu essen ich dir verboten habe? 12 Adam
antwortete: Die Frau, die du mir beigesellt hast, sie hat mir von dem
Baum gegeben und so habe ich gegessen. 13 Gott, der Herr,
sprach zu der Frau: Was hast du da getan? Die Frau antwortete: Die
Schlange hat mich verführt und so habe ich gegessen.
14 Da sprach Gott, der Herr, zur Schlange:
Weil du das getan hast, bist du verflucht
unter allem Vieh und allen Tieren des Feldes.
Auf dem Bauch sollst du kriechen
und Staub fressen alle Tage deines Lebens.
15 Feindschaft setze ich zwischen dich und die Frau,
zwischen deinen Nachwuchs und ihren Nachwuchs.
Er trifft dich am Kopf
und du triffst ihn an der Ferse.
16 Zur Frau sprach er:
Viel Mühsal bereite ich dir, sooft du schwanger wirst.
Unter Schmerzen gebierst du Kinder.
Du hast Verlangen nach deinem Mann;
er aber wird über dich herrschen.
17 Zu Adam sprach er: Weil du auf deine Frau gehört und von dem
Baum gegessen hast, von dem zu essen ich dir verboten hatte:
So ist verflucht der Ackerboden deinetwegen.
Unter Mühsal wirst du von ihm essen
alle Tage deines Lebens.
18 Dornen und Disteln lässt er dir wachsen
und die Pflanzen des Feldes musst du essen.
19 Im Schweiße deines Angesichts
sollst du dein Brot essen,
bis du zurückkehrst zum Ackerboden;
von ihm bist du ja genommen.
Denn Staub bist du, zum Staub musst du zurück.
wenn ihr von der Frucht esst, werdet ihr erkennen, was Gut und Böse ist
Liebe Gemeinde
Die Geschichte von Adam und Eva gibt eine Begründung, warum wir in einer
Welt leben in der es Mühsal, Schmerz und Tod gibt, obwohl diese Welt doch
von einem liebenden Gott geschaffen wurde und wird.
Die Antwort der Geschichte ist:
Das hat uns Eva und Adam durch ihre Sünde eingebrockt.
Zumindest wird diese Geschichte oft so verstanden.
Aber wenn man genau liest:
Die Geschichte wehrt sich gegen solch ein simples Verständnis.
Denn die Voraussetzung, um sündigen zu können, ist, dass ich Gut und
Böse unterscheiden kann.
Wie will ich sündigen, wenn ich nicht weiß, was Gut und was Böse ist?
In der Geschichte aßen die beiden vom Baum der Erkenntnis, erst danach
konnten sie Gut und Böse unterscheiden. Erst dadurch waren sie in
der Lage zu sündigen.
Aber das ist nicht die einzige Ungereimtheit in der uns überlieferten
Geschichte.
Der Baum des Lebens, der ja die ganze Zeit dabeistand und alles mitbekam,
der erzählt die Geschichte so:
Gott, der die Eva und den Adam und die Tiere und die Pflanzen und
überhaupt alles, was er erschaffen hat, so sehr liebt, der wollte,
dass seine Liebe erkannt wird.
Aber natürlich wusste Gott auch, dass Erkennen mit Wachsen, und
Wachsen mit Schmerzen verbunden ist und nicht ohne Veränderung zu
haben ist.
Adam und Eva aber fühlten sich sauwohl im Paradies und hatten überhaupt
kein Interesse an Veränderung. Da verpackte Gott das Erkennen in
wunderschöne Früchte, die an einem herrlichen Baum hingen. Und damit
die beiden den Baum ja nicht übersehen, stellte er ihn mitten in den
Garten, in dem Eva mit Adam lebte. Nicht dass den beiden der Baum und
seine Früchte nicht gefiel, aber sie sagten sich: Wenn es jemandem so
gut geht wie uns, dann kann jede Veränderung ja nur eine Verschlechterung
sein. Und so machten sie sich lieber über die anderen Früchte her.
Aber als Gott das eine Weile angesehen hatte, überlegte er, ob sie dem
Baum noch widerstehen könnten, wenn er ihnen verbieten würde, von
seinen Früchten zu essen.
Und wenn diese Methode auch meistens hilft, bei Adam und Eva hatte er
keinen Erfolg damit.
Selbst als er sie anlog, sie würden sterben, wenn sie davon essen
würden, konnte ihr wachsendes Interesse ihre Angst vor Veränderung
nicht überwinden,
Natürlich konnten sie sich denken, dass ein liebender Gott einen so
gefährlichen Baum nicht ausgerechnet in ihren Garten pflanzen würde,
aber das mit der Erkenntnis von Gut und Böse war ihnen dann doch zu heikel.
Und so sah sich Gott gezwungen zu härteren Mitteln zu greifen: Er schuf
eine kluge und sprachgewandte Schlange und setzte ihr den Wunsch ins
Herz, Eva zu verführen.
Und endlich traute sich Eva, allen Befürchtungen zum Trotz, sich auf
die Erkenntnis von Gut und Böse einzulassen.
Und sie machte einen wichtigen Entwicklungsschritt.
Und als Adam sah, wie mutig Eva gewesen ist, und dass sie keineswegs
tot umfällt, da traute er sich dann auch.
Und sie entdeckten nicht nur den Unterschied zwischen Gut und Böse,
sondern auch, dass das Leben mitunter recht mühsam sei kann, wenn man
Verantwortung übernimmt. Und sie entdeckten ihre Sexualität.
Das war sicher ein wichtiger Entwicklungsschritt für die Menschheit.
Wir haben diesen Entwicklungsschritt schon als Kleinkinder vollzogen
und später dann immer wieder ausgebaut und präzisiert. Meist wissen wir
sehr genau was Gut und was Böse ist.
Und was macht Gott? Na klar, er pflanzt uns mal wieder einen Baum, weil
ein neuer Entwicklungsschritt ansteht.
Dieser Baum heißt Jesus.
Und in seinen Ästen finden wir viele Bilder, Redewendungen und
Gleichnisse die sagen:
Richte nicht, wirf nicht den ersten Stein, rege dich nicht auf über
den Splitter im Auge deines Bruders, lass das Unkraut zusammen mit
dem Weizen wachsen, ...
Letzten Endes ist alles Gute und Böse Teil von Gottes Schöpfung und
damit von Gott bedingungslos geliebt. Alles gehört dazu und hat seinen
Platz und seine Lebensberechtigung.
In Gott geborgen muss ich nicht das "Böse" in mir ausrotten oder die
"Bösen" um mich rum vernichten. Ich muss auch nicht versuchen, der
"Gute" zu sein, was ja sowieso immer wieder scheitert.
In Gott geborgen kann ich das tun, was ich für angemessen halte, das
was ich subjektiv und relativ für gut erachte, wo ich ein gutes Gefühl
bei habe, was ich nach Abwägung aller mir bekannten Umstände für das
halte, was aufs Ganze gesehen das beste ist.
Ich möchte euch einladen, von diesem neuen Baum zu naschen und
hinzugucken, was sich bei uns ändert, wenn wir uns auf diese Früchte einlassen.
Amen