© April 2006 bernhard@müllmensch.de

Satire auf Ratschläge in Form von Ratschlägen
Entstanden, weil wieder mal Leute in unsere Gruppe gekommen sind, die wütend wurden, weil sie in ihrer Not zu uns gekommen sind und wir mit den so bitter benötigten Geheimtipps nicht rausrückten.

Die 12 goldenen Ratschläge zum Aufräumen für Messies

Die Newton-Methode:
Werfen Sie alle Sachen in die Luft. Was wieder runter kommt wird weggeschmissen.

Die "Ein Platz an der Sonne"-Methode:
Kaufen Sie viele Postpakete. Füllen Sie die Pakete mit wertvollen, nützlichen und brauchbaren Dingen. Bei Bedarf weitere Pakete kaufen und füllen. Wenn alle wertvollen, nützlichen und brauchbaren Sachen verpackt sind, werden die Pakete zum notleidenden Bermuda-Dreieck verschickt. Wenn Sie alles richtig gemacht haben, sind Sie jetzt in einer völlig leeren Wohnung.

Die Computer-Methode:
Will man Dateien löschen, so verschiebt man sie in den sogenannten Papierkorb. Sollte man das aber mal bereuen, kann man die gelöschten Dateien einfach wieder aus dem Papierkorb herausholen.
So was ist auch beim Aufräumen nützlich.
Besorgen Sie sich ein paar Umzugskartons und packen sie dort alles rein, was sie wegschmeißen wollen. Nur wenn absolut sicher ist, dass Sie diesen Schritt nie bereuen werden, können Sie den betreffenden Gegenstand auch in den Müll tun. Der Nachteil dieser Methode ist, dass die weggeworfenen Dinge nach wie vor Platz in Ihrer Wohnung beanspruchen.
Der erste Vorteil ist, dass die weggeworfenen Dinge weniger Platz brauchen als zuvor, weil sie ja in dem Karton geschickt gestapelt werden können.
Der zweite Vorteil ist, dass Sie sich jetzt großzügiger dazu entschließen können, etwas wegzuwerfen, weil sie die Entscheidung ja jederzeit revidieren können.
Wenn Sie es ganz perfekt machen wollen, erstellen Sie sich auf Ihrem Computer eine Datenbank, in der alles Weggeworfene katalogisiert wird. Dann können Sie jederzeit dort nachsehen, in welchem Karton das Gesuchte gelandet ist.

Die mathematische Methode:
Nehmen Sie sich nacheinander je einen Gegenstand in Ihrer Wohnung vor.
Für diesen Gegenstand würfeln Sie mit einem normalen sechsseitigen Würfel und gehen dann nach folgenden Regeln vor:
Regel 1: Wenn Sie eine 6 gewürfelt haben, dürfen Sie noch einmal würfeln.
Regel 2: Wenn Sie eine Primzahl gewürfelt haben, suchen Sie für den Gegenstand einen anderen Platz in Ihrer Wohnung.
Regel 3: Wenn Sie eine Quadratzahl gewürfelt haben, dürfen Sie den Gegenstand dahin zurückstellen, wo sie ihn herhaben.
Regel 4: In allen anderen Fällen wird der Gegenstand konsequent und rigoros weggeschmissen.
Anmerkung für alle, die sich nicht für Mathematik interessieren:
Die ersten 10 Primzahlen sind: 2; 3; 5; 7; 11; 13; 17; 19; 23; 27.
Die ersten 10 Quadratzahlen sind: 1; 4; 9; 16; 25; 36; 49; 64; 81; 100.

Die Aufräumhilfe-Methode:
Sammeln Sie alle Ratschläge die Sie bekommen können. Tauschen Sie sich mit anderen Messies aus, damit Ihnen kein wichtiger Ratschlag entgeht. Schreiben Sie jeden Ratschlag auf einen eigenen Zettel. Heften Sie an die Gegenstände, die Ihnen besonders wichtig sind, je einen Ratschlag. Schmeißen Sie dann rigoros alle Gegenstände weg, an denen kein Ratschlag klebt.
Der Vorteil dieser Methode besteht darin, dass man in der Regel aufgrund der vielen guten Ratschläge nichts wegzuschmeißen braucht.

Die konservative Methode:
Machen Sie sich klar, dass jede beliebige Anordnung von Gegenständen eine der möglichen Ordnungen dieser Gegenstände ist. Die jetzige Ordnung Ihrer Gegenstände heißt: Status Quo. Jede Änderung des Status Quo würde die jetzige Ordnung durcheinander bringen. Freuen Sie sich, dass bei Ihnen alles in Ordnung ist und vermeiden Sie jede Ordnungsstörung, die unvermeidlich auftreten würde, wenn Sie etwas suchen würden. Jeder Versuch aufzuräumen ist ein direkter Angriff auf den Status Quo und hätte eine verheerende Wirkung auf die bestehende Ordnung.

Die "typisch Messie"-Methode:
Wenn Sie zu denen gehören, die Nicht-Messies in ihre Wohnung lassen, dann kennen Sie sicherlich die tiefschürfenden Kommentare, weil inmitten der Berge die Bücher alphabetisch nach Autoren sortiert sind. Versuchen Sie gar nicht erst denen irgend etwas zu erklären. Sortieren Sie Ihre Bücher einfach nach den Autorennamen ab dem zweiten Buchstaben. Die Bücher lassen sich genauso leicht finden, wenn der erste Buchstabe nicht berücksichtigt wird, und die Nicht-Messies können wieder ruhig schlafen, weil sie Ihre Ordnung nicht mehr wahrnehmen. So passen Sie wieder gut in deren Weltbild und finden trotzdem Ihre Bücher.

Die wissenschaftliche Methode:
In ca. 4 Milliarden Jahren wird sich unsere Sonne so sehr ausdehnen, dass die Erde innerhalb der aufgeblähten Sonne liegt. Diese Entwicklung heißt Supernova und führt dazu, dass es auf der Erde keine festen Dinge mehr gibt. Kein Kölner Dom, keine Pyramiden, keine Alpen. Wenn Sie bis dahin Ihre Wohnung nicht aufgeräumt haben, erledigt sich das Problem von alleine.

Die Sigmund-Freud-Methode:
Wenn damals Leute zu Freud gekommen sind, weil die was in ihrem Leben ändern wollten, dann hat er ihnen nicht geraten, die Ärmel hochzukrempeln, sondern sich erst mal auf eine Couch zu legen.
Das geht bei uns natürlich nicht.
Weil man dazu ja erst mal die Couch freiräumen müsste.
Aber eigentlich kann man auch ohne Couch nachdenken.
Wichtig ist nur, dass Sie die Ärmel nicht hochkrempeln.

Die fürsorgliche Methode:
Haben Sie Mitgefühl und Verständnis für Ihre Sachen. Sachen wollen nun mal gerne Raum einnehmen. Das darf man Ihnen nicht verdenken. Das ist halt ihre Natur.
Bei Ihnen können sich Ihre Sachen nicht genügend entfalten. Ihre Sachen werden nicht artgerecht gehalten.
Zugegeben, sie können bei Ihnen prima Verstecken spielen, aber viele von Ihren Sachen spielen nichts anderes mehr. Das kann auf Dauer doch nicht gut tun.
Schenken sie Ihren Sachen eine neue Perspektive, eine neue Zukunft. Verschenken Sie sie an sachenliebende Nicht-Messies.
Die Sachen, die noch auf ihr neues Zuhause warten müssen, brauchen unsere besondere Fürsorge:
Niemand von uns will von unwilligen, verkrampften, abgenervten Personen "aufgeräumt" werden. Muten Sie das auch Ihren Sachen nicht zu. Räumen Sie sie nur auf, wenn Sie gut gelaunt sind und Lust dazu haben.

Die christliche Methode:
Christen glauben bekanntlich an Gott. Genaugenommen glauben sie dem Jesus, was der über das Verhältnis Gottes zu uns gesagt hat. Und darüber hinaus glauben die Christen nichts. Sollten sie zumindest nicht.
Sollten auch Sie nicht.
Vor allem nicht solche Glaubenssätze, an die alle glauben.
Auch die, die glauben, dass sie an gar nichts glauben.
Was das Aufräumen angeht:
Glauben Sie, dass Sie aufräumen müssten?
Glauben Sie, dass Sie ein besserer Mensch wären, wenn Ihre Wohnung ordentlich aufgeräumt wäre?
Glauben Sie an die Existenz von inneren Schweinehunden?
Glauben Sie, dass der Sinn Ihres Lebens darin besteht, sich selbst zu dressieren?
Glauben Sie, dass Sie Ihre Wohnung längst aufgeräumt hätten, wenn Sie sich nur etwas mehr zusammennehmen würden?

Die Engel-Methode:
Ob es Engel gibt oder nicht hängt vor allem davon ab, was wir mit dem Begriff meinen. Möglichst weltbildneutral könnte man unter dem Begriff Engel jemanden verstehen, der uns etwas mitteilen will, was jenseits unseres Horizonts liegt.
Etwas Wichtiges.
So ein Engel muss nicht unbedingt immer ein Nachthemd anhaben. Er könnte sich auch als Wohnung verkleiden.
Als Ihre Wohnung.
Engel müssen nicht immer schön sein.
Und bequem sind sie sowieso nicht.
Aber ehrlich.
Vielleicht kommt es nicht so sehr darauf an, den Engel aufzuräumen, sondern ihm (oder ihr) zuzuhören.