© März 2002 bernhard@müllmensch.de

Vorurteile und zwischen den Zeilen auch anderes.
Entstanden für die Umgestaltung der Website meiner Gruppe, die ich dann gut fünf Jahre später auch tatsächlich umgestaltet habe.

Kleiner Leitfaden für den Umgang mit Messies und ihren Selbsthilfe-Gruppen

Messies haben ein recht überschaubares Weltbild. Die ganze Menschheit wird in drei Gruppen aufgeteilt:
Da sind zum einen die Messies. Das sind die, mit denen man sich gerne trifft und die zugleich der Hauptgesprächsstoff aller ihrer Treffen sind.
Dann gibt es noch die Co-Messies. Das sind Menschen, die den Versuch, mit einem Messie zusammenzuleben, noch nicht aufgegeben haben. Diese geduldigen und hilfsbereite Menschen, die unermüdlich das Chaos begrenzen und die Hoffnung nicht aufgeben, dass ihre mahnenden Worte doch noch ein offenes Ohr finden werden, die tauchen in den Erzählungen der Messies meist nur am Rande auf, und dort meist nur in der Rubrik "widrige Umstände".
Alle anderen Menschen sind Cleanies. Für Messies sind das merkwürdige Geschöpfe, die lieber ihre Wohnung aufräumen, statt sich mit anderen zu treffen um darüber zu reden, dass die Wohnung nicht aufgeräumt ist. Der Gedanke, dass Cleanies sich in völlig aufgeräumten Zimmern wohl fühlen, ist den Messies so unangenehm, dass sie über die Cleanies am liebsten überhaupt nicht reden.
Dieses Weltbild findet sich auch in der Regel in ihren Selbsthilfegruppen: Messies sind jederzeit herzlich willkommen, Co-Messies dürfen bei einigen Gruppen an bestimmten Tagen dazukommen, Cleanies müssen sich fragen lassen, was sie da wollen, bevor sie mehr oder weniger höflich hinauskomplimentiert werden.

Wer zu den Messies geht, sollte eins wissen: Messies leiden an ihrer Unordnung! Die Messies sind sich allesamt darin einig, dass sie an ihrer Unordnung leiden. Und sie nehmen es jedem übel, der das in Frage stellt. Die Messies leben wirklich in Unordnung. Und jeder normale Mensch würde leiden, wenn er so leben müsste. Aber jeder normale Mensch würde doch so lange aufräumen, bis er sich wieder in seinen vier Wänden wohl fühlt. Offensichtlich ist der vielbeschworene Leidensdruck bei den Messies dann doch nicht so groß, dass man mal ein bisschen aufräumt. Und überhaupt: warum wird auf den Treffen der leidgeprüften Messies so viel gelacht?

Sicherlich wird man Ihnen erzählen: Messies würden gerne aufräumen, aber sie können es nicht. Haben Sie schon einmal erlebt wie schnell, problemlos und gründlich ein Messie bei anderen aufräumen kann? Und die gleichen Menschen setzten sich zusammen und lamentieren darüber, dass ihre eigene Wohnung so unaufgeräumt ist. Wenn sie statt dessen die Zeit nutzen und ihre eigene Wohnung aufräumen würden, würde es bei Ihnen aussehen wie im Möbel-Katalog. Aber natürlich macht es mehr Spaß, unter gleichgesinnten Freunden zusammenzusitzen, als ein vermülltes Zimmer aufzuräumen. Und gemeinsam lassen sich viele Gründe finden, warum das Zimmer nicht von alleine ordentlich wird: War es die schlimme Kindheit oder liegt eine merkwürdige Störung vor? Sind die Gene schuld oder der Kapitalismus? Und ganz besonders findige Messies vermuten sogar, dass es an einem Übermaß an Kreativität und Intelligenz liegt. Nur dass sie stinkend faul sind, das wollen sie nicht hören.

Sollten Sie immer noch eine Messie-Gruppe besuchen wollen, dann bringen Sie sich selber ein.
Sie könnten zum Beispiel einfach eine Tüte Müll mitbringen, damit sich die Messies gemütlich einrichten können. Und wenn sie Ihren Müll nicht mitbringen wollen - gerade dafür haben die Messies viel Verständnis.